Bereits vor einigen Wochen habe ich hier Voodle vorgestellt. Da mir das Tool zum Vokabeln lernen richtig gut gefällt, habe ich mich damit noch etwas genauer beschäftigt und konnte dabei Tim Taubner (CTO von Voodle) für ein Interview gewinnen. Freundlicherweise hat er sich die Zeit genommen, mir einige Fragen zu beantworten.

Als erstes muss ich euch ein grosses Kompliment machen. Voodle sieht wirklich toll aus. Und auch mein erster Eindruck vom Vokabeltrainer ist sehr positiv. Kommen wir zur ersten Frage und zwar nimmt es mich Wunder wie das beim Voodle Team so aussieht. Ihr seit ja selbst noch Schüler, wie viel Zeit investiert ihr denn in Voodle? Und hat das einen negativen Einfluss auf eure Schulleistungen? 😉

Guuute Frage. Ehrlich gesagt war voodle zunächst ein Projekt von mir (Tim), um neue Technologien (liftweb und Scala) auszuprobieren. Außerdem war ich mit allen Vokabeltrainern, die ich bisher benutzt habe unzufrieden. Also habe ich zusammen mit Arjuna (Designer) voodle ins Leben gerufen. Später kam erst Marco dazu und dann Johannes.

Zum Thema wie viel Zeit es uns eigentlich kostet: Ich würde auch ohne voodle genug programmieren und entwickeln, um mich von der Schule abzulenken – Warum also nicht ein „echtes“ Produkt aus der Nebenbeschäftigung machen?

Einen negativen Einfluss auf die Schule hat es nur begrenzt. Wirklich viel lernt keiner aus unserem Team. Aber Johannes und ich (Tim) haben eine gute Note in Informatik bekommen – weil wir auch an einem Schülerwettbewerb mit voodle teilgenommen haben.

Obwohl ihr noch Schüler seit, wurde Voodle in kürzester Zeit zu einem echten Business. Habt ihr das von Anfang an geplant oder seit ihr da einfach hineingerutscht?

Wie oben skizziert: Erstmal Technologie ausprobiert dann öffentlich zugänglich gemacht. Warum sollten wir auch unsere Arbeit nicht mit anderen teilen? Jetzt ist unser Ziel, dass wir einfach den besten Vokabeltrainer für Schüler entwickeln wollen. Für diese Arbeit wollen wir auch entsprechend belohnt werden.

Richtig professionell wurde es aber erst mit Marco. Er kümmert sich vor allem darum, dass es nicht nur ein technisches Spielzeug bleibt, sondern den Benutzern einen echten Mehrwert bringt.

Habt ihr keine Angst, dass der Name eventuell Probleme machen könnte? Immerhin könnten gewisse Menschen hier einen Vergleich mit einer grossen Suchmaschine ziehen…

Nein, wir haben keine Angst vor Google. Es gibt zwar einige ähnliche Produkte, wie z.B. doodle, moodle aber gerade durch die Vielzahl an ähnlichen Namen denken wir nicht, dass sich jemand angegriffen fühlen könnte. Wir planen jedoch, für Afrikas Schulen einen anderen Namen zu wählen. Voodle klingt leider sehr nach vodoo – ein problematischer Begriff in Afrika.

Im Bereich der Onlinekarteikarten seit ihr ja keineswegs der einzige Anbieter. Sowohl aus Deutschland als auch aus den USA gibt es bereits einige grosse Konkurrenten, welche bereits über hunderttausende User verfügen. Wie wollt ihr euch gegen diese durchsetzen?

Hunderttausende Benutzer hat meines Wissen nach nur Quizlet. Babbel zählen wir nicht direkt als Konkurrenz, den ihr Produkt ist ein Ersatz zu einem Lehrbuch. In Deutschland ist der größte Anbieter im Online-Bereich Cobocards mit angeblich 60000 Benutzern. Wir glauben, dass davon höchstens 10000 wirklich aktiv sind. Sowohl Cobocards als auch Quizlet zielen jedoch auf allgemeine Lerninhalte. Phase6 ist definitiv ein Auslaufprodukt.

Aus unserer Sicht hätten sie zwar was aus vokker machen können, aber es fehlt wohl an unternehmerischem Mut. Stattdessen macht sich vokker selber kaputt. Schade für die Benutzer – gut für uns (wir bieten einen Vokker-Import ;-]).

Unser Fokus liegt auf Vokabeln für deutschsprachige Schüler.Hier besteht definitiv Nachholbedarf.

Und aufbauend auf der letzten Frage. Wie bewerbt ihr Voodle? Habt ihr eine besondere Strategie, um besonders schnell an Schüler heranzukommen?

Wir haben bisher noch keine groß angelegte Werbung gemacht um sicherzustellen nicht zu schnell zu wachsen. Sobald unsere Premium-Version online geht und wir zufrieden mit unserem Produkt sind, lassen wir die Massen auf uns los ;-). Auch an die Schulen werden wir uns wenden.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft? Möchtet ihr so schnell wie möglich aus der Schule raus, um euch vollständig auf Voodle zu konzentrieren oder ist das noch kein Thema?

Unsere (und Sido’s) Standardantwort: Es klingt vielleicht seltsam, doch ich will Geld hab’n.

Ehrlicher Weise müssen wir sagen, dass zwei aus unserem Team von Schule nach Universität wechseln. Ich beginne mit meinem Informatik-Studium an der TU-München oder der ETH-Zürich noch dieses Jahr. Johannes nimmt sich ein Jahr Auszeit – für ihn, für voodle und für andere interessante Projekte.

Und zum Abschluss noch dies. Was können die User in Zukunft noch neues erwarten? Habt ihr eventuell schon neue Features geplant? Und möchtet ihr auch international expandieren?

Wir haben einige Funktionen geplant. Unsere kostenlose Version wird den Funktionsumfang haben, den man heutzutage auf dem Markt findet – bloß „in schön“.

Die Premium-Version wird einige Funktionen umfassen, die noch nicht in der Form auf dem Markt vorhanden sind. Im Bereich „virtuellem Klassenzimmer“ sind spezielle Features für Schulen geplant.

Internationale Expansion ist nicht primäres Ziel. Aber mittelfristig wollen wir natürlich den englischsprachigen Raum gewinnen. Außerdem planen wir eine spezielle Version für den afrikanischen Raum. Hier fühlen wir auch soziale Verpflichtung. Langfristig sehen wir Zukunft in China und Europa (v.a. Frankreich/Spanien/Italien).

Vielen Dank Tim für die Beantwortung der Fragen.

Ich behalte Voodle auf jeden Fall im Auge und kann es an dieser Stelle nur empfehlen. Ich bin auf jeden Fall gespannt wie sich das Projekt entwickelt und halte meine Leser hier auf dem Laufenden.

Hier geht es zur Website von voodle